Wenn ein Baum zwei Stämme hat

Sascha Grosser hat mir diese Fotos geschickt und möchte wissen, warum hier zwei Stammteile aus dem Boden wachsen.

Foto: Sascha Grosser
Foto: Sascha Grosser

Vielen Dank erst einmal für die Fotos und diese spannende Frage. Ich versuche mal das allgemeinverständlich zu erklären.

Bei der alten Eiche ist es beinahe genauso, wie bei der Eibe. Es gab zwei Bäume, die in einem Abstand von ca. 1,0 bis 1,5 Meter standen. Vor Jahren könnten sie so da gestanden sein:

Grafik „aus zwei wird einer“ 01 von Klaus Heidel

Nach ein paar Jahren könnte ein Sturm den kleineren rechten Baum gebogen haben, so dass er an dem großen Baum lehnte.

Grafik „aus zwei wird einer“ 02 von Klaus Heidel

Im Laufe der nächsten Jahre bewegte sich der kleinere Baum bei Wind und Wetter und scheuerte sich selbst und auch dem großen Baum die Rinde auf. Eine Wunde entstand, die nie so richtig zur Ruhe kam.

Grafik „aus zwei wird einer“ 03 von Klaus Heidel

Nach weiteren Jahren hat sich der kleinere Baum am großen Baum so weit abgerieben, dass irgendwann der Baumteil über der Wunde erst abgestorben und dann abgebrochen ist.

Grafik „aus zwei wird einer“ 04 von Klaus Heidel

Die Baumkrone des kleineren Baumes lag nun am Boden. Dadurch war der Rest des Baumes nicht mehr so windanfällig und bewegte sich auch bei Wind nicht mehr hin und her. Die Wunden konnten nun langsam verheilen. Die Wundfläche des großen Baumes lag direkt auf der Wundfläche des kleinen Baumes und sie bildeten beide einen gemeinsamen Flächenkallus. Es entstanden gemeinsame Versorgungsleitungen und die große Wunde wurde überwallt.

Grafik „aus zwei wird einer“ 05 von Klaus Heidel

Beide Bäume wuchsen zusammen und wurden auch gemeinsam immer etwas dicker. Die Berührungspunkte beider Bäume überwallten mit den Jahren immer stärker und auch die Borke wurde gröber. Nun ist nur noch zu erahnen, was sich da vor Jahrzehnten abgespielt hatte. Wenn du aber genau hinschaust, siehst du an den Rindenstrukturen ganz genau wo der eine Baum anfängt und der andere Baum aufhört.

Grafik „aus zwei wird einer“ 06 von Klaus Heidel
An der roten Linie erkennt der geübte Beobachter die ehemaligen Scheuerpunkte. Foto: Sascha Grosser
An der roten Linie erkennt der geübte Beobachter die ehemaligen Scheuerpunkte. Foto: Sascha Grosser

Hier folgen jetzt weitere Anschauungsobjekte zu diesem spannenden Thema:

Foto 2.1.1 von Klaus Heidel. Zwei Bäume dicht nebeneinander.

Habt ihr sowas schon mal gesehen? Da wachsen zwei Stämme nebeneinander und weiter oben scheinen die beiden zu einem zu verschmelzen. Das kommt vor. Öfters als man meint. Dieses schöne Phänomen sehe ich bei meinen Streifzügen schon häufiger, beinahe täglich.

Manchmal stehen die beiden Bäume recht dicht nebeneinander. So wie im Bild oben. Dann ist es beinahe schon nicht mehr verwunderlich, dass es dazu kommt, und die beiden sich vereinen.

Oben im Bild kann man gut sehen, dass die beiden zwar sehr dicht beieinander stehen, aber dennoch getrennt sind. Jeder ein Baum für sich.

Schaut man sich den Baum aber aus einer größeren Entfernung an, erkennt man schon die merkwürdige Form.

Foto 2.1.2 von Klaus Heidel. Zwei Bäume dicht nebeneinander werden Eins.

Hier ist sogar die unterschiedliche Rindenstruktur erkennbar.

Foto 2.1.3 von Klaus Heidel. Zwei Bäume dicht nebeneinander.

Auch von der anderen Seite sieht man deutlich die Trennung der beiden Bäume.

Foto 2.1.4 von Klaus Heidel. Zwei Bäume dicht nebeneinander.

Hier ist genau das gleiche passiert, wie ich weiter oben beschrieben habe.

Foto 2.1.5 von Klaus Heidel. Zwei Bäume dicht nebeneinander.

Es gibt aber auch Bäume, die stehen weiter auseinander. So wie diese beiden Bäume auf der Insel Rügen in der Nähe des Kurparks in Baabe.

Foto „ein Paar“ 01 von Klaus Heidel. Zwei Bäume dicht nebeneinander.
Foto „ein Paar“ 02 von Klaus Heidel. Zwei Bäume dicht nebeneinander.

Diese beiden hier haben ihren eigenen Habitus behalten, sie halten nur Händchen. Die Distanz zwischen den beiden ist beinahe 2 Meter. Der Waagerechte Ast hat solange am Nachbarbaum gescheuert, bis auch hier die Astspitze verloren ging, Ruhe in der Bewegung einkehrte und die beiden Wundflächen zusammengewachsen sind. Toll! Ich besuche dieses Baumpaar jedes Mal, wenn ich auf der Insel bin.

Foto: „Druidentor 01“ von Klaus Heidel

Schaut mal hier. Das ist so groß, dass ich da bequem durchgehen kann. Manche Kulturen sagen, sowas ist ein Tor zu einer anderen Welt und nennen es „Druidentor“, „Elfentor“ oder „Tor zur Anderswelt“. Ich finde es einfach nur schön und gehe selbstverständlich immer da durch, wenn ich dort bin.

Foto: „Druidentor 02“ von Klaus Heidel
Foto: „Zusammen bis zum bitteren Ende und darüber hinaus“ von Klaus Heidel
Foto: „Elfenauge 01“ von Klaus Heidel

Solche zusammenwachsenden Äste findest du aber auch innerhalb eines Baumes. Hier scheuern dann zwei oder mehrere der eigenen Äste aneinander, bis sie dann irgendwann zusammenwachsen. In manchen Kulturen heißen diese Formen „Elfenauge“.

Foto: „Elfenauge 02“ von Klaus Heidel

Hier könnte immerhin noch ein Kind durchklettern.

Zum Thema „Elfenaugen“ und „Engelsaugen“ schreibe ich demnächst noch mehr.

Bis dahin, bleibt aufmerksam und achtsam.

Liebe Grüße Klaus

Auch sehr interessant, Kringel und Kränze.

Foto: Kringel und Kränze von Klaus Heidel

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